"Tour" ist der am ehesten als Single-Player Modus zu bezeichnende Teil von Driveclub. Hier fährt man verschiedene Arten von Rennen gegen KI-Gegner, die mit steigenden Fahrzeugklassen sukzessive stärker werden. Dabei existieren pro Event zu erreichende Ziele wie "Übertreffe eine Höchstgeschwindigkeit von XXX km/h" oder "Erreiche eine Top3 Platzierung" etc. Für jedes Ziel gibt es einen Stern. Neue Level werden nach erreichen bestimmter Stern-Zahlen frei geschaltet. Jede Stage verfügt über eine (Freundes)Rangliste mit Bestzeiten, die nach dem jeweiligen Rennen angezeigt wird. Hier weiter nach oben zu klettern erzeugt die Motivation eine Strecke desöfteren zu fahren. Wirklich neu ist die Existenz von Herausforderungen im Rennen selbst, die unabhängig von den Stern-Zielen des jeweiligen Levels sind.
Diese Herausforderungen sind von der selben Art wie ihre Level-Pendants, dh. "Drifte mindestens..." oder "Fahre eine höhere Durchschnittsgeschwindigkeit...". Der Unterschied ist aber, dass sie dynamisch und an verschiedenen Stellen der Strecke auftauchen (meist vor Kurven-Passagen) und so zu sagen Messlatten anderer Driveclub Spieler darstellen. Vornehmlich, bzw falls vorhanden, tritt man zunächst gegen die Vorgaben der eigenen Club-Kollegen, dann die der Freundeslistenkontakte und am Ende, wenn man all die vorherigen geschlagen hat, gegen Leistungen aus der gloabalen Weltrangliste an.
Ein Beispiel: Ich fahre ein 3-Runden-Rennen. In der 1. Kurve wird mir eine "Folge möglichst lange der Fahrlinie eines Gegners" Herausforderung eingeblendet. Über dem Info-Panel sehe ich das PSN-Icon eines PSN-Freundes, der die Vorlage geliefert hat. Ich gewinne die Challenge. Komme ich in der 2. Runde an die selbe Stelle der Strecke, sehe ich ein anderes PSN-Icon, nämlich das eines Club-Kollegen. Das Ziel ist nun schwerer zu knacken als zuvor. Ich schaffe es und komme in der 3. Runde wieder an die besagte Passage. Nun fahre ich gegen eine Vorgabe die von einem PSN-User stammt, den ich nicht kenne. Die Messlatte liegt nun noch höher.
Das interessante ist, dass es keine feste Art von Herausforderung pro Passage gibt. Spielt man die selbe Stage nochmal, erscheinen andere Herausforderungen. Die Variation hält sich aber in Grenzen, bedeutet wenn man eine Herausforderung nicht geschafft hat und sie gerne nochmal in Angriff nehmen will, taucht sie bei einem von drei Versuchen die Stage erneut anzugehen meist wieder auf. Woher kommen die beschriebenen Herausforderungen? Nach jeder absolvierten Fahrt kann man selber und mit wenigen Klicks eine Herausforderung einstellen, z.B. wenn man denkt gerade besonders gut unterwegs gewesen zu sein. Dabei klickt man lediglich auf eine Kachel die Strecke und Zeit anzeigt. Das war's. Welche Passagen aus der gespeicherten Runde als konkrete Herausforderungen ins Spiel einfließen, ist weder durch den Spieler beeinflussbar noch wird es explizit dargestellt.
Jede Fahrt mit Windschattenpassagen, Überholvorgängen, Drifts etc. bringt Driveclub-Credits. Diese werden multipliziert, wenn man z.B. besonders sauber fährt, dh keine Kollisionen verursacht, nicht abkürzt oder an Leitplanken entlang schlittert. Credits führen zum Levelaufstieg des Fahrers und des Clubs zu dem er gehört. Dies ist die dritte Ebene der Motivation und ein weiterer Aspekt der die Grenzen des on- und offline Modus verwischt.
Dieses Konglomerat an Herausforderungen ist zunächst etwas gewöhnungsbedürftig. Lässt man sich aber darauf ein versetzt es den Spieler in einen "Flow" der dafür sorgt, dass man den Controller nur ungern weg legen möchte. Man bleibt auf mehreren Ebenen motiviert. Das ist die größte Erneuerung die Driveclub mit sich bringt und in die man erst mal hinein finden muss. Ist das der Fall, funktioniert die Formel aber zu 100%!
Der zweite Teil von Driveclub sind Einzelspieler Herausforderungen. Hier kann man jede Strecke zu jeder Zeit, mit jeder verfügbaren Wettereinstellung und mit verschiedenen Rennarten befahren. Alles ist frei konfigurierbar. Man kann ein Drift-Rennen in Kanada bei Nacht genauso herstellen wie einen Time-Attack in der Mittagshitze Chiles. Es ist sozusagen der Trainings-Modus von Driveclub. Für jede Strecke/Rennen-Kombination gibt es ebenfalls Ranglisten.
Der dritte Teil ist das was man klassisch als einen Multiplayer-Modus in Rennspielen bezeichnet. Man erstellt Renn-Lobbies unter bestimmten Bedingungen oder tritt den Lobbies anderer Spieler bei und erlebt Rennen mit bis zu 12 Mann. Die Optionen sind hier ebenfalls interessant was die Interaktion mit den eigenen Freundeslisten-Kontakten bzw Club-Kollegen angeht. Schnell sind zB die aktuell Driveclub spielenden Freundeslistenkontakte zu einem Online-Rennen eingeladen. Alles ist sehr intuitiv und zugänglich. Hier wird der Soziale Aspekt von Driveclub auch deutlich sichtbar. Das Matchmaking ist wirklich sehr einfach aber dennoch mächtig was die Optionen angeht.
Steuerung
Die Steuerung mit Pad muss man als vorbildlich bezeichnen. Ich würde sie Referenz nennen. Vom Core Racer bis zu Kindern kommen alle Nutzergruppen mit den Fahrzeugen sehr gut klar. Dabei hat die Steuerung so viel Tiefgang, dass man auch noch nach längerer Zeit Spass am Fahren hat.
Ausblick
Driveclub ist in der aktuellen Ausprägung noch nicht komplett. Es sind sowohl kostenlose Erweiterungen als auch kostenpflichtige DLCs geplant. Zu den kostenlosen Erweiterungen zählen ein erweiterter Wetter-Modus mit Stürmen, Regen- und Schneefällen, sowie ein Replay- und Foto-Modus. Beides sind sicherlich interessante Features, die das Spiel sinnvoll erweitern.
Des weiteren wird es eine SmartPhone-App geben mit der man den aktuellen Stand des Clubs und der Fahrer abrufen kann. Es wurde angekündigt, dass die App über das reine Anzeigen von Informationen hinaus gehen wird. So wird man u.a. in der Lage sein andere Clubs herauszufordern. Man darf gespannt sein wie der Community-Gedanke in diese App Einzug halten wird.
Wenn die Driveclub Server voll zur Verfügung stehen, wird das Spiel auch um globale Herausforderungen erweitert. Das sind im Prinzip Rennen, bei den es gilt in einer betreffenden Weltrangliste möglichst weit klettern zu können. Diese globalen Wettbewerbe sind zeitlich begrenzt und bringen viele Credits für den Fahrer und seinen Club ein. Je besser man am Ende da steht, desto mehr Credits bekommt man. Definitiv auch eine interessante Variante den Spieler an den Bildschirm zu fesseln.
Zu guter letzt sei erneut die kostenlose Plus-Mitglieder Version erwähnt, die ebenfalls mit Vorhandensein der vollen Serverfunktionalität erscheinen wird und die jedem einen ausreichenden Einblick in Driveclub ermöglicht, falls man sich unsicher ist, ob der Titel einem zusagt.
Fazit
Driveclub sollte jeder Racer der eine PS4 besitzt zumindest in Form der kostenlosen Plus-Version antesten. Mir bereitet der Titel viel Freude mit Controller und von der Couch aus. Ich starte den Titel häufig, nahezu täglich, was ein gutes Indiz für den Spass-Faktor ist. Man findet immer etwas, das man noch machen möchte. Egal was man fährt, es generiert Folge-Motivationen. Alles fußt aber auf dem reinen Racing. Wer ein Umfeld mit Story oder umfangreichen Tuning-Optionen erwartet, wird dies nicht vorfinden. Einsteigen, losfahren und Spass haben. Das ist die Formel von Driveclub. Und das ist die Formel die bei mir als Racer auch sehr gut funktioniert.
+ Erster PS4-Racer der technisch wirklich nextGen ist
+ Sehr gute Steuerung, zugänglich aber gleichzeitig auch herausfordernd
+ Saubere Fahrweise wird belohnt
+ Faires, kluges und gut umgesetztes Starfsystem um Abkürzen und Kollisionen auf einem passablem Niveau zu halten
+ Multiple Ebenen der Motivation auch und gerade durch dynamische Herausforderungen auf der Strecke
+ Gemeinsames sammeln von Credits für den Club wird durch zusätzlich verfügbare Fahrzeuge belohnt; der Club-Gedanke ist dadurch stark
- Fehlende Gamma-Einstellungsoption
- Derzeit noch nicht alle Online-Funktionen verfügbar (Updates erscheinen nahezu täglich, somit ist mit dem vollen Umfang bald zu rechnen)