Alleine schon der Anfang des Artikels stößt mir sauer auf, wenn ich Sätz wie diesen hier lese:"Ein Jugendschutz, der solche Zustände achselzuckend hinnimmt, ist ein Witz.", bekomme ich einen Würgereiz und ich kann gerade noch verhindern, daß sich meine Hand zur Faust ballt.
Pressefreiheit ist ja schön und gut, aber notorische Scheukappenträger wären mit ALG II besser bedient, dann können sie zumindest keinen großen Schaden mehr anrichten.
Jugendliche, die besonders viel Fernsehen und deutlich öfter Videospiele konsumieren, stammen häufig aus sozial schwächeren Familien und/oder haben keine wirkliche Alternative ihre Freizeit sinnvoller zu gestalten.
Das solche Kinder an brutale Videospiele gelangen können, liegt ja nicht an der USK, sie kommen ja auch ohne Probleme an harten Alkohol und sogar an harte Drogen. An dieser Stelle sieht sich aber Niemand gezwungen etwas zu sagen.
Der perspektivenlose Robert S. ermordet mehrere Menschen aus purer Verzweiflung, Counter Strike war schuld. Herrlich, diese einfach gestrickten Idioten, die die wahren Probleme nicht sehen wollen, weil sie sich dann vielleicht eine Teilschuld geben müssen.
Vor ein paar Monaten stirbt ein 12 Jähriger an einer Alkoholvergiftung. Wurde in den Medien nicht großartig an die große Glock gehängt - was läuft hier falsch, verdammt nochmal?
Wenn ich in Ghettoähnlicher Umgebung aufgewachsen wäre und draussen keine Alternativen gehabt hätte, wäre ich dann ebenso verdummt? Weil ich den einfachen Weg der einfachen Unterhaltung gewält hätte?
Wieviele Menschen verdummen tagtäglich, weil sie gerade mal ein auflagenstarkes Boulevardblatt lesen können und sich im TV auf unterste Niveauebenen herablassen und sich von dem ganzen Mist tagtäglich beschallen und berieseln lassen?
Aber es sind mal wieder die bösen, bösen Videospiele, die an dem ganzen Mist schuld sein sollen? Lachhaft.
Die Medienverwahrlosung so vieler Jungen hierzulande ist ein Skandal. Bei der Suche nach Lösungen darf es nicht darum gehen, männliche Aggressivität unter Verdacht zu stellen und zu tabuisieren. Im Gegenteil: Jungs brauchen reale Möglichkeiten, ihre ganz normale männliche Aggressivität einzusetzen und sie lernend, spielend abzubauen. Der daddelnde Junge, der narzisstisch-depressiv in seinem Zimmer hockt und ganze Nachmittage damit verbringt, verbotene Gewalt- und Kontrollfantasien auszuleben, ist das Inbild misslingender, weil unerwünschter Männlichkeit. Er sollte daher nicht dämonisiert werden, sondern Verständnis und Zuwendung erfahren. Jungen brauchen Auswege in eine produktivere Männerrolle, als die Spiele sie anbieten. Wir können es uns nicht leisten, sie in den virtuellen Horrorwelten verkommen zu lassen, mit denen die Computerspielindustrie ihre Fantasie vergiftet.
Tja, und was kann die USK da tun? Verbrennen wir doch einfach alle "bösen" Videospiele und schmeissen noch ein paar vermeintliche Hexen dazu?
Die Ursache des Problems eben NICHT die Videospiele, sie sind ein Symptom für eine erkrankte Gesellschaft. Die Probleme und die Zusammenhänge gehen tiefer, sind weitreichender, als das man sie mit pauschalen Aussagen erfassen könnte.
Wir brauchen Bildung und wir brauchen Perspektiven.